Aktuelles Special Eurobarometer spricht gegen Gateway-Effekt

Untersuchung der EU-Kommission belegt: Den Gateway-Effekt gibt es nicht. Die meisten Dampfer sind Ex-Raucher. Erfolge gegen Tabaksucht dort am größten, wo die E-Zigarette ausgewogen behandelt wird.

Die EU-Kommission hat im Mai 2017 eine aktuelle Untersuchung (Survey) veröffentlicht, die auf der repräsentativen Befragung von knapp 28.000 EU-Bürgern beruht, das Special Eurobarometer 458. In Auftrag gegeben hat sie die EU-Generaldirektion für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit. Ziel war es, herauszufinden, wie die Haltung der Befragten gegenüber herkömmlichen Tabak-Zigaretten und E-Zigaretten ist und welche Erfahrungen sie mit beiden jeweils gemacht haben. Und natürlich, welche Unterschiede es in Europa hinsichtlich Konsum und Konsumentenzahlen gibt. Gefragt wurden die Europäer unter anderem danach, wann sie mit dem Dampfen oder Rauchen angefangen haben und wie oft sie diese Artikel konsumieren, welche Faktoren eine Rolle bei der Auswahl, beim Um- oder Ausstieg gespielt haben oder auch, welche Faktoren dabei eine Rolle gespielt haben, sich für ein bestimmtes Produkt zu entscheiden.

Keine Bestätigung für die Behauptung, Dampfen sei Einstieg für Tabakkonsum

Die Ergebnisse der umfangreichen EU-Studie könnten kaum positiver für die Dampfer-Community ausfallen: Die Untersuchung zeigt klar, dass vor allem Ex-Raucher die E-Zigarette nutzen. Die Zahl der Nichtraucher, die E-Zigaretten konsumieren oder konsumierten, ist verschwindend gering. Aus dem aktuellen Stand der EU-Studie kann man festhalten: Es gibt praktisch keine vorherigen Nichtraucher unter den Dampfern. Ihre Zahl befindet sich unter der Nachweisgrenze. Nur 2 Prozent der Nichtraucher haben die E-Zigarette einmal probiert. Das sind erstaunlich wenige Personen. Schließlich ist es völlig normal und menschlich, dass gerade junge Erwachsene alles Mögliche einmal ausprobieren – und es dann auch wieder sein lassen. Laut der Studie haben in Deutschland 86 Prozent der Befragten noch nie eine E-Zigarette konsumiert, 8 Prozent geben an, sie ein- bis zweimal ausprobiert zu haben, und 2 Prozent sagen, sie haben früher gedampft und tun es nun nicht mehr. Nur 2 Prozent der Befragten bezeichnen sich aktuell als Dampfer beziehungsweise regelmäßige Konsumenten von E-Zigaretten. Im Vergleich zum EU-Durchschnitt sind die Deutschen also etwas zurückhaltender bei der E-Zigarette als andere EU-Bürger (Special Eurobarometer 458, S. 105).

Dampfen als Alternative für das Rauchen geschätzt – „Harm Reduction“ großes Thema

Die EU-Studie zeigt außerdem deutlich, dass Raucher und Ex-Raucher die größten Gruppen unter den aktuellen Dampfern ausmacht (Special Eurobarometer 458, S. 106f.). Das ist in ganz Europa so. Offensichtlich entdecken Raucher die E-Zigarette als deutlich gesündere und auch für ihre Umwelt deutlich weniger störende Alternative. Auch die Zahlen für die gesamte EU zeigen: Raucher und Ex-Raucher sind deutlich die größte Gruppe unter den Dampfern. Etwa die Hälfte der Befragten, die versuchten, mit dem Rauchen aufzuhören, hat dafür auch die E-Zigarette ausprobiert (Special Eurobarometer 458, S. 108).

Interessant ist, dass die Zahlen der Studie nahelegen, dass es einen klaren Zusammenhang gibt zwischen der Art der Regulierung der E-Zigarette und der Aufklärung und Informationspolitik der jeweiligen Regierungen zum Thema Dampfen sowie dem Rückgang des herkömmlichen, stark gesundheitsschädlichen Zigarettenkonsums. Und dies gleich zweifach: Zum einen sticht Großbritannien positiv heraus, was den Rückgang des Konsums von Tabakzigaretten anbelangt. Der Anteil der Raucher in Großbritannien hingegen ist in den vergangenen fünf Jahren um erstaunliche 11 Prozentpunkte zurückgegangen und liegt jetzt nur noch bei 17 Prozent der Gesamtbevölkerung. Zum anderen gaben 14 Prozent aller Ex-Raucher in Großbritannien an, E-Zigaretten zu nutzen. Das ist europaweit ein Spitzenwert. Die Gesundheitspolitik Großbritanniens, das Dampfen als deutlich weniger schädliche Alternative zum Qualmen zu behandeln, steht offenbar in einem deutlichen Zusammenhang mit einem starken Rückgang bei den Zahlen der Raucher.

Menthol soll aus der Liste der verbotenen Inhaltsstoffe gestrichen werden

Höchstmenge für Menthol als Kompromiss. Der Bundesrat folgt damit der Argumentation des BMEL für ein Totalverbot nur eingeschränkt.

In seiner Sitzung am vergangenen Freitag hat sich der Bundesrat in Berlin mit der E-Zigarette befasst. Darin wurde die Bundesregierung offiziell aufgefordert, Menthol aus der Liste der verbotenen Inhaltsstoffe von E-Zigaretten zu streichen. Die Ländervertreter stellen sich damit gegen einen weitreichenden Gesetzesentwurf des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), der ein totales Mentholverbot vorsah.
Der Bundesrat ist eines der fünf Verfassungsorgane der Bundesrepublik Deutschland. In ihm sind die 16 Landesregierungen vertreten. Da viele Gesetze, die der Deutsche Bundestag beschließt, zustimmungspflichtig sind, spielt der Bundesrat als Ländervertretung eine durchaus bedeutende Rolle in der deutschen Gesetzgebung. Auch beim Thema Tabak und E-Zigaretten ist dies der Fall: Die sogenannte 2. Änderungsverordnung zur Tabakerzeugnis-Verordnung (2. ÄndV TabakerzV) ist zustimmungspflichtig nach Art. 80 Abs. 2 des Grundgesetzes. Das heißt, dass der Bundesrat den Inhalt der Verordnung gleichberechtigt zur Bundesregierung mitbestimmen kann. Die Verordnung kann nur in Kraft treten, wenn die vom Bundesrat geforderten Änderungen umgesetzt worden sind.

Eine Anrufung des Vermittlungsausschusses ist nicht möglich.

An Stelle eines Verbotes soll das BMEL eine zulässige Höchstmenge von Menthol definieren, die in Liquids enthalten sein darf. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft kann eine solche Höchstmenge auf dem Verordnungsweg festsetzen, wie der § 13 Abs. 2 Nr. 2 des Tabakerzeugnisgesetzes (TabakerzG) regelt.

Der Realitätssinn setzt sich in der Politik langsam durch

Bei seiner Begründung bezieht sich der Bundesrat auf das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): E-Zigaretten würden keine reizenden und irritierenden Stoffe freisetzen, deren Wirkung mit Menthol maskiert werden müsste, wie es bei Tabak-Zigaretten der Fall sei. Eine durch Menthol erleichterte Inhalation sei bei E-Zigaretten deshalb kaum relevant. Ein generelles Mentholverbot sei von der Wissenschaft nicht gedeckt. Bei einem Totalverbot befürchtet der Bundesrat darüber hinaus eine unkontrollierte Nutzung von Ersatzstoffen durch die Konsumenten, wodurch ein seriöser Verbraucherschutz unterminiert würde. Darüber hinaus forderte der Bundesrat das zuständige Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft auf, die Liste der verbotenen Inhaltsstoffe in E-Zigaretten weiterzuführen.
Da das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) dem relativ neuen Produkt E-Zigarette gegenüber durchaus skeptisch eingestellt ist, macht es ihre Aussage, auf die sich der Bundesrat stützt, besonders glaubwürdig. Die Politik hat anerkannt, dass es keinerlei wissenschaftliche Erkenntnisse gibt, die ein Totalverbot von Menthol in E-Zigaretten rechtfertigen würde. Die Sache liegt eben völlig anders als bei Tabak-Zigaretten. Darauf hat auch der renommierte Wissenschaftler Professor Bernhard Mayer (Universität Graz) bereits in einem Gutachten für das BfTG zur Anhörung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) im Jahr 2016 hingewiesen. Das BfTG hat in dieser Anhörung darüber hinaus bereits Beispiele für gefährliche Inhaltsstoffe gegeben, die aus Branchensicht untersagt werden sollten. Damit hat das BfTG frühzeitig konstruktive Hinweise gegeben. Leider hat das BMEL damals diese Hinweise ignoriert.

Die Bundesregierung ist am Zug

Nach der klaren Positionierung des Bundesrates ist nun das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft gefragt. Es muss die Änderungswünsche des Bundesrates umsetzen, wenn eine Neuregelung erfolgen soll. Das heißt, das BMEL wird über eine Höchstmenge an Menthol in Liquids entscheiden müssen. Ob der Grenzwert über den immer wieder genannten 0,1 Prozent liegen wird, ist aktuell nicht absehbar. Ebenso ist zum derzeitigen Zeitpunkt unklar, ob das BMEL überhaupt noch bis zum Ende der Legislaturperiode tätig wird. Nach der Bundestagswahl am 24. September könnte mit einer anderen Regierungskonstellation ganz andere Erwägungen die Gesetzgebung beeinflussen. Die Aufforderung des Bundesrates aber, die eingesetzten Zusatz- bzw. Inhaltsstoffe stärker als bislang zu regeln zeigt aber, dass auch künftig mit weiteren Produktregulierungen zu rechnen ist.

 

Bundesrat spricht sich gegen absolutes „Menthol-Verbot“ aus – Votum für Höchstmengenregelung

  • Bundesrat folgt weitgehend den Empfehlungen der Ausschüsse und führenden Wissenschaftlern
  • kein absolutes Mentholverbot für E-Zigaretten
  • noch zu bestimmende Höchstmenge für Menthol
  • BfTG e.V. setzt sich weiterhin für sinnvollen Verbraucherschutz ein

Der Bundesrat hat sich heute gegen das vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) geplante strikte Menthol-Verbot, das auch für E-Zigaretten gelten sollte, ausgesprochen. Stattdessen wird eine Höchstmengenregelung für den Aromastoff ab 2020 favorisiert. Grundlage eines möglichen Verbots war der BMEL-Entwurf zur 2. Verordnung zur Änderung der Tabakerzeugnisverordnung.

Damit ist die Länderkammer in weiten Teilen einer Empfehlung des Ausschusses für Agrarpolitik und Verbraucherschutz und des Wirtschaftsausschusses nachgekommen. Die Fachgremien des Bundesrates haben unter anderem empfohlen, statt eines rigorosen Menthol-Verbots eine Höchstmengenregelung des nach Überzeugung der Ausschussmitglieder unschädlichen und für E-Zigaretten wichtigen Aromastoffes zuzulassen. Die nachvollziehbare Begründung im Wortlaut: „…ein Totalverbot würde zu einer unkontrollierten Verwendung von Ersatzstoffen, welche weniger bekannt und toxikologisch bewertet sind, führen. Deshalb wird eine Höchstmengenregelung für sachgerechter gehalten.“ Das Mentholverbot für Tabakprodukte bleibt von dieser Entscheidung unberührt. Für uns ein Signal, dass die Politik die Besonderheiten der E-Zigarette erkannt hat und deren Potenzial nicht vollends ausbremsen möchte.
Denkbar für die Ausschussmitglieder wäre auch gewesen, völlig von einem Menthol-Verbot abzukommen. Die Begründung liegt auf der Hand: ein Verbot war für die Fachpolitiker nicht nur wissenschaftlich unhaltbar. Es wäre auch ein deutscher Alleingang, der wirtschaftspolitisch kritisch gesehen wird. Denn: kein anderes EU-Land diskutiert ein Verbot des Aromastoffs mit dieser Beharrlichkeit wie die Bundesregierung. Leider ist das Bundesrats-Plenum bei dieser weiterreichenden Ausschuss-Empfehlung nicht mitgegangen.

Ohne Frage: wir hätten eine klarere Position via Länderkammer contra Menthol-Verbot begrüßt. Mit der Höchstmengenregelung sehen wir aber einen Erfolg der politische Beharrlichkeit von VdeH und BfTG gegenüber Bundes- und Landespolitik. Immerhin konnten wir zeigen: ein totales Menthol-Verbot steht wissenschaftlich auf dünnem Eis. Das haben wir bei zahlreichen Gesprächen mit Bundes- und Landespolitikern und einer Anhörung im BMEL im Oktober 2016 klar verargumentiert. Mit im Gepäck bei der Anhörung hatten wir ein Gutachten des renommierten Toxikologen Prof. Bernhard Mayer. Herr Prof. Mayer bekam als von uns eingeladener Fachexperte sogar die Gelegenheit, den Beamten des Ministeriums persönlich die Nicht-Sinnhaftigkeit eines Menthol-Verbots nachzuweisen. Trotz allem: das BMEL hat in einem leicht modifizierten Entwurf, der an die Länderkammer ging lediglich ein Aufschub des geplanten Menthol-Verbots eingebaut. Dem Bundesrat ging das offensichtlich nicht weit genug. Unsere Argumente sind von der Länderkammer schon mal in Grundlinien gehört und verstanden worden, wenn gleich wir mit diesem Kompromiss nicht zufrieden sind.

Bleibt die Frage: wie geht es jetzt weiter? Fest steht: Die Verordnung des BMEL kann nur dann in Kraft treten, wenn die vom Bundesrat geforderten Änderungen in puncto Höchstmengenregelung umgesetzt werden. Das heisst, das BMEL wird sich über eine Höchstmenge Gedanken machen müssen. Wir werden uns mit der Hilfe von Prof. Mayer weiter einbringen. Eine Anrufung des Vermittlungsausschusses durch die Bundesregierung ist nicht möglich. Unsere fachliche Argumentation gegen ein Menthol-Verbot hat somit zu einem ersten Erfolg geführt: ein totales Menthol-Verbot ist erstmal vom Tisch – eine geplante Höchstmengenregelung ist ein erster Kompromiss. Es war gut und richtig, bei diesem Thema dranzubleiben.

Ärzteschaft entdeckt E-Zigarette: Richtungswechsel bei der Tabak-Prävention gefordert

  • Aktueller Regierungskurs unterstützt Tabakindustrie – Umdenken der Politik in Richtung weniger schädlicher E-Zigarette gefordert.
  • Gesundheitswissenschaftler und Journalist Dietmar Jazbinsek kritisiert Tabak-Lobby, Dampfer-Branche aus dem Markt drängen zu wollen.

Vergangene Woche veröffentlichte die Deutsche Ärztezeitung auf ihrer Homepage unter der Rubrik „Politik“ einen denkwürdigen Artikel mit der Überschrift: „E-Zigaretten: Plädoyer für einen Richtungswechsel in der Präventionspolitik“. Darin wird über die gemeinsamen Forderungen von Prof. Dr. Heino Stöver und des Gesundheitswissenschaftlers und Journalisten Dietmar Jazbinsek berichtet, die beide an die deutsche Gesundheitspolitik stellen.

Stöver und Jazbinsek forderten auf ihrer gemeinsamen Pressekonferenz in Berlin eine gesundheitspolitische Neuausrichtung.

Ihr Anliegen: Die Regierung soll den Stellenwert der E-Zigarette bei der Rauchentwöhnung neu definieren und die Bürger endlich vernünftig über Vorteile und Risiken des Dampfens informieren, statt der Tabaklobby auf den Leim zu gehen und das Dampfen mit dem weitaus gesundheitsschädlicheren Tabakkonsum in einen Topf zu werfen.

Stöver und Jazbinsek werden im Ärzteblatt mit den Worten zitiert: „Das Public-Health-Potenzial der E-Zigarette komme nur dann zur Geltung, wenn der Umstieg vom Rauchen auf das Dampfen gesetzlich gefördert wird.

Die beiden Fachleute bemängeln beispielsweise, dass auf dem Informationsportal „rauchfrei“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) „keinerlei Vorteile der E-Zigarette“ benannt würden. Doch dass sich der Umstieg von Tabak-Rauch auf Dampf nicht lohne, „sei definitiv die falsche Botschaft“, führte Prof. Heino Stöver auf der Pressekonferenz aus.

Konkrete Forderungen an die Politik

Stöver und Jazbinsek machen drei konkrete Vorschläge, was die zuständigen Behörden schnell tun sollten:

Erstens sollte die E-Zigarette steuerlich gegenüber der herkömmlichen Tabak-Zigarette deutlich begünstigt werden. Stöver und Jazbinsek fordern eine moderate E-Zigaretten-Steuer bei gleichzeitig drastischer Erhöhung der Tabaksteuer.

Zweitens: Werbung für E-Zigaretten soll unter Auflagen erlaubt sein, die Werbung für Zigaretten dagegen generell verboten werden. Begründung: Es gibt nur dann einen Anreiz für Innovationen, die die Sicherheit und Akzeptanz der E-Zigarette erhöhen, wenn deren Hersteller die Konsumenten über Produktneuheiten informieren können.

Drittens: Vorhandene Raucherräume in Gaststätten und anderen öffentlichen Orten sollten in Dampferräume umgewandelt werden.

Der Gesetzgeber würde damit klarmachen, dass es einen großen Unterschied zwischen E-Zigaretten und Tabakzigaretten gibt. Lediglich beim Jugendschutz halten es Stöver und Jazbinsek für sinnvoll, das Rauchen von Zigaretten und das Dampfen von E-Zigaretten in gleicher Weise zu regulieren.

Big Tobacco versucht, mittelständisch geprägte E-Zigaretten-Branche zu kapern – Warnung vor Tabakerhitzern (Heated Tobacco)

Als besonders bemerkenswert können im übrigen die Ausführungen von Gesundheitsexperte Dietmar Jazbinsek zur Tabakindustrie und ihrer mächtigen Lobby angesehen werden. Er bezeichnete es rundheraus als „Etikettenschwindel“, dass die Großunternehmen der Tabakindustrie sich offiziell auf das Prinzip der Schadensreduzierung (harm reduction) beriefen, wenn sie neuerdings in die Vermarktung von E-Zigaretten und Tabakerhitzern investieren.

Dahinter stecke vielmehr der Versuch, die neue Konkurrenz der meist kleinen und mittelständigen E-Zigaretten-Hersteller aus dem Markt zu drängen.

Vor diesem Hintergrund wiesen die beiden Experten explizit darauf hin, dass das Gesundheitsrisiko bei Tabakerhitzern (Heated Tobacco), wie sie u.a. Philip Morris unter dem Namen IQOS auf den Markt gebracht hat, sehr viel unklarer sei als bei den E-Zigaretten.

BfTG kritisiert Werbekampagne für „Ainoha Stik“ als irreführend

  • E-Zigaretten sind Konsumartikel für Erwachsene, keine angeblich gesundheitsfördernden Lifestyle-Produkte für Jugendliche
  • BfTG-Vorsitzender Dustin Dahlmann: „Es verstößt gegen ungeschriebene Werberegeln, wenn sich aggressives Produkt-Marketing gezielt an junge Leute wendet und dabei irreführende Behauptungen aufgestellt werden.“

Das Bündnis für Tabakfreien Genuss (BfTG e.V.) kritisiert die aggressiven Werbung der Firma Vapomins für die nikotinfreie E-Zigarette „Ainoha Stik“. In einem Interview mit dem App-Magazin „DampferApp“, das Dampfer und E-Zigaretten-Konsumenten mit Informationen versorgt, sagt Dustin Dahlmann: „Eine E-Zigarette hat weder eine therapeutische Wirkung noch ist sie in irgendeiner Art und Weise gesund.“ Aussagen wie “schadstoffreier Genuss” oder “Extrakte der rubinroten Herzkirsche” haben aus Sicht des BfTG in der Werbung für E-Zigaretten und Dampferprodukte nichts verloren. Die Verwendung von fetten Ölen in Verdampfern sieht Dustin Dahlmann ebenfalls äußerst kritisch: Nur weil dem Produkt kein Nikotin beigesetzt ist, sei es noch lange nicht gesundheitlich unbedenklich oder gar gesundheitsfördernd.

Besonders kritikwürdig ist aus Sicht des BfTG die Marketingstrategie für die sogenannten „Ainoha Stiks“. Die im BfTG zusammengeschlossenen E-Zigarettenhändler betrachten es mit großer Sorge, dass gezielt Jugendliche angesprochen werden und als sogenannte Markenbotschafter Gutscheine erhalten können, wenn sie Freunde zum Konsum animieren. Auch die Presse ist bereits auf die bedenkliche Werbestrategie der Firma Vapomins aufmerksam geworden. In einem kritischen Beitrag berichtet stern.de über die irreführende Kampagne für die sogenannten „Ainoha Stiks“ (Link).

Das BfTG sieht die aggressive Werbekampagne für nikotinfreie E-Zigaretten vor allem deshalb mit Sorge, weil es die gesamte, noch junge Branche des tabakfreien Dampfens in Verruf bringen könnte. Dustin Dahlmann: „Eine solche Kampagne ist Wasser auf die Mühlen der Kritiker, die am liebsten die E-Zigarette ganz verbieten würden. Dabei macht sich momentan gerade in der Wissenschaft weltweit die Erkenntnis breit, dass der Konsum von E-Zigaretten nicht nur wesentlich geringere Gesundheitsrisiken beinhaltet als Tabakzigaretten, sondern dass der Umstieg auf E-Zigaretten für starke Tabakraucher oft auch der einzige Weg ist, von der stark gesundheitsgefährdenden Tabaksucht wegzukommen.“

Für Dahlmann und seine Mitstreiter im BfTG ist die Sache klar: „E-Zigaretten, egal, ob mit oder ohne zugesetztem Nikotin, sind nichts für Kinder und Jugendliche. E-Zigaretten sind ein typisches Genussmittel für Erwachsene, die sich über die Risiken eines übermäßigen Konsums im Klaren sind.“

Es gibt keinen Gateway-Effekt bei der E-Zigarette

Steigende Nutzung von E-Zigaretten erhöht nicht die Zahl der Raucher

  • Es gibt keinen „Gateway-Effekt“, sagt US-Forscherteam der Universitäten von Buffalo und Michigan
  • Und: viele Jugendliche in den USA dampfen ohne Nikotin
  • Wissenschaftler kritisieren erneut Informationspolitik

Der Mythos vom „Gateway-Effekt“ ist nun endgültig widerlegt – Behauptungen wurden wissenschaftlich untersucht und abschließend entkräftet!

Oft wurde vor dem sogenannten Gateway-Effekt beim Konsum von E-Zigaretten gewarnt [Der Konjunktiv ist hierbei bewusst kursiv]: Das E-Dampfen könnte eine Art Einstiegsdroge sein, das zur herkömmlichen, gesundheitsschädlichen Tabak-Zigarette verführen könnte. Und das E-Dampfen könnte die Schwelle senken Raucher zu werden, was vor allem Jugendliche gefährden könnte.

Das jedenfalls behaupten Gegner der E-Zigarette, ohne valide Nachweise zu dieser Theorie zu erbringen. Händler von E-Zigaretten und Dampfer-Zubehör sagen hingegen, dass es genau umgekehrt ist: Starke Raucher, die bereits mehrfach dabei gescheitert sind, mit dem Rauchen aufzuhören und auf die E-Zigarette umsteigen, stellen oft fest, dass es ihnen gesundheitlich schnell besser geht. Und machen mit der Tabak-Zigarette erfolgreich Schluss.

Dieser Trend ist mittlerweile auch wissenschaftlich untersucht (siehe British Medical Journal, US National Library of Medicine/National Institutes of Health und E-Cigarette-Research)
Und Jugendliche, die dampfen, probieren das Rauchen höchstens mal zum Vergleich aus, werden aber nur in Ausnahmefällen Raucher. Kein Wunder: Der Zigaretten-Qualm schmeckt ja auch nicht.

Jetzt haben US-Forscher der Universität von Buffalo, N.Y., und deren Kollegen der Universität von Michigan die These vom Gateway-Effekt wissenschaftlich untersucht. Ihr Ergebnis ist eindeutig:

Den angeblichen Gateway-Effekt gibt es nicht! Auch nicht unter Jugendlichen. Im Gegenteil: Während in den Vereinigten Staaten das Dampfen und der Konsum von E-Zigaretten zugenommen hat, ist die Anzahl der Raucher im selben Zeitraum gefallen. „Der nationale Trend unterstützt das Argument, wonach das Dampfen zum Rauchen verführt, in keiner Weise“, sagt Professor Dr. Lynn Kozlowski, Professor für Gesundheitswesen am Institut für öffentliche Gesundheit und Gesundheitsberufe an der Universität von Buffalo.

Ihr Co-Autor, Dr. Kenneth Warner, Professor für Gesundheitswesen am Institut für Öffentliche Gesundheit der Universität Michigan, äußert sich gleichlautend. Hier der Link zu ihrer Studie, die in der Fachzeitschrift „Drogen und Alkoholmissbrauch“ (Drug and Alcohol Dependence) erschienen ist.

Aufschlussreich ist, dass die Untersuchung von Kozlowski und Warner auch zutage fördert, dass Studien, die den Gateway-Effekt behaupten, offenbar grobe methodische Mängel aufweisen. Zum Beispiel wurden irreführende Maßstäbe angesetzt, wer als Raucher gewertet wurde. „Manchmal reichte schon ein Zug in den vergangenen sechs Monaten. Das könne eigentlich nur bedeuten, dass ein Dampfer neugierig war, um einmal den Unterschied zu schmecken“, erläutert Professor Kozlowski.

Auch Professor Warner war mit dieser Art kruder Statistik konfrontiert: In einer Studie wurden zum Beispiel lediglich vier (!) E-Zigaretten-Konsumenten präsentiert, die vorher noch nie geraucht hatten und angaben, in den vergangenen 12 Monaten eine oder zwei Zigaretten geraucht zu haben. Ob sie danach jemals wieder auch nur eine Tabakzigarette angefasst hatten, sei hingegen in besagter Gateway-Studie gar nicht mehr erfasst worden.

Erstaunlich viele Jugendliche in den USA dampfen E-Zigaretten ohne Nikotin!

Und noch eine interessante Erkenntnis fördert die aktuelle Untersuchung von Kozlowsi und Warner zutage: Offenbar dampfen viele Jugendliche in den USA ohne zugesetztes Nikotin. Die Zahlen sind erstaunlich: Anscheinend haben in den USA nur 20 Prozent aller jugendlichen E-Zigaretten-Dampfer Nikotin verwendet. Das jedenfalls hat eine USA-weite Erhebung der Universität Michigan im Auftrag des Nationalen Instituts für Drogenmissbrauch 2015 ergeben.

Mit Blick in die Zukunft fordern die beiden US-Forscher eine bessere Informationspolitik von den zuständigen Behörden, vor allem, was die Gesundheitsrisiken der E-Zigarette im Vergleich zur herkömmlichen Tabak-Zigarette anbelangt.

Momentan jedenfalls würden alle verfügbaren Informationen klar belegen, dass E-Zigaretten „sehr viel weniger gefährlich sind als Zigaretten“. Die Wissenschaftler bedauern ausdrücklich, dass die Bevölkerung darüber nicht ausreichend informiert werde und stattdessen Verunsicherung geschürt werde.

Dustin Dahlmann, Vorstandsvorsitzender vom Bündnis für Tabakfreien Genuss, äußert sich hierzu wie folgt:

„Wieder einmal haben unabhängige Wissenschaftler bestätigt, was wir schon lange kommunizieren. Einerseits ist es höchst erfreulich, dass immer mehr positive Studien veröffentlicht werden und dass selbst Forscher die Irreführung der Bevölkerung und der Politik öffentlich anprangern; andererseits ist es beschämend, dass die Gegner der E-Zigarette – welche Motive sie auch haben mögen – dennoch immer wieder falsche Behauptungen verbreiten und somit Einfluss auf die Meinungsbildung haben.“

Faktencheck Passiv-Dampf

Nach der IRK Forderung zur Ausweitung des Nichtraucherschutzgesetzes auf die E-Zigarette kritisiert der unabhängige Toxikologe und Pharmakologe Prof. Dr. Mayer die Kommission für Innenraumlufthygiene (IRK) scharf. Wir fassen die wichtigsten Punkte in einem Faktencheck zum Passiv-Dampf zusammen.

E-Zigaretten und Passiv-Dampf

Die IRK: “Freisetzungsprozesse wie bei der glimmenden Tabakzigarette über den Nebenstromrauch sind bei der elektronischen Zigarette zu vernachlässigen. Das Aerosol wird nur dann gebildet, wenn der Konsument die E-Zigarette durch Saugen oder Tastendruck aktiviert. Die Substanzen aus dem Liquid gelangen daher nur über das Exhalat (die ausgeatmete Luft) des Konsumenten in die Raumluft.”

Richtig ist: Es gibt keinen Dampf in der Raumluft, der nicht zuvor vom Dampfenden selbst ausgeatmet wurde, also kein “Exhalat” wäre.  Darauf weist die IRK hier selbst hin. Dieser Umstand legt deutlich nahe, wie wenig die elektrische Zigarette mit der bei Nutzung stets rauchenden Tabakware gemeinsam hat. Erst im Januar 2017 stellte die irische „Health Information and Quality Authority“ (Hiqa), die an den irischen Gesundheitsminister sowie das Familienministerium berichtet, in einer umfassenden Untersuchung fest, dass der Nikotingehalt von ausgeatmetem Passivdampf achtmal geringer ist, als der von Tabakrauch Exhalat. Auch Frau Dr. Ute Mons, Leiterin der Stabsstelle für Krebsprävention des Deutschen Krebsforschungszentrums stellt in einem Artikel für das Deutsche Ärzteblatt fest, dass die passive Belastung geringer als durch Zigarettenrauch ist. 

Dampf und die enthaltenen Partikel

Die IRK:  “Aus dem in der Atemluft übersättigten Propylenglykol bilden sich feine und ultrafeine Flüssigkeitspartikel (Aerosole), deren Größenverteilung und Anzahlkonzentrationen denen des Tabakrauchs ähneln. Nach aktuellen Untersuchungsergebnissen des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit steigen beim Gebrauch von E-Zigaretten die Raumluftkonzentrationen von feinen (PM2,5) und ultrafeinen Partikeln (UFP) an. Die ultrafeinen Partikel dringen bis in die Alveolen der Lunge ein.”

Richtig ist: Bei E-Zigaretten Dampf handelt es sich wissenschaftlich betrachtet um Nebel. Die beschriebenen feinen und ultrafeinen Flüssigkeitspartikel haben die typischen Partikelgrößen der Flüssigkeitströpfchen von atmosphärischem Nebel und diese Flüssigkeitspartikel lösen sich anders als die festen Partikel in Tabakrauch bei Kontakt mit dem Gewebe schnell auf, wie Prof. Dr. Mayer in seinem Gutachten erklärt.

Raumluftqualität und E-Zigaretten

Die IRK: “Darüber hinaus lag nach zweistündigem E-Zigaretten-Gebrauch Propylenglykol in der Raumluft in einer Konzentration vor, die den vorläufigen Richtwert I (RW I) von 0,07 mg/m3 um etwa das Dreifache überschritt. Aus Gründen der Vorsorge sollte dies vermieden werden. In einem Raum mit intensivem E-Zigarettenkonsum kann die Belastung der Raumluft mit PM2,5 auf Werte ansteigen, wie sie in Gaststätten mit erlaubtem Zigarettenkonsum gemessen werden bzw. wurden.”

Richtig ist: Der Richtwert, der laut Umweltbundesamt ein Eingreifen erforderlich macht, liegt bei einer Raumluftbelastung von 0,7 mg/m3. Die Belastung der Raumluft liegt in der hierzu vom IRK zitierten Studie jedoch deutlich unterhalb dieses Wertes. Demnach hatten 59 bis 86 Personen in einem kleinen geschlossenen Raum ausgiebig gedampft – also ein typisches “Dampfer-Event” und ein Sonderfall. An solchen geschlossenen Veranstaltungen nehmen jedoch nur e-Dampfer teil – d.h. Nicht-Nutzer, die belastet werden könnten, sind i.d.R. in solchen Räumen nicht anwesend.

E-Zigaretten Nutzung in öffentlichen Räumen

Die IRK: “Klare Regelungen zur Verwendung von E-Zigaretten in öffentlich zugänglichen Innenräumen fehlen aber bislang.”

Richtig ist: Über die Verwendung von E-Zigaretten entscheidet klar das Hausrecht, also der, dem der “öffentlich zugängliche Innenraum” gehört.

Die Wirkung von Dampf auf die Gesundheit

Die IRK: “Obwohl sich die Partikel im E-Zigarettenaerosol in ihrer Beschaffenheit von denen aus der Umwelt und auch denen des Tabakrauchs unterscheiden, ist davon auszugehen, dass sie aufgrund ihrer chemischen Zusammensetzung und Morphologie die Gesundheit beeinträchtigen können.”

„Vernebeltes Propylenglykol löst bereits bei kurzfristiger Exposition Augen- und Atemwegsirritationen aus.“

Zu dem ersten Teil dieses Zitats stellt sich dem aufmerksamen Leser als erstes die Frage, warum? Wie die IRK ganz richtig äußert, unterscheiden sich die flüssigen Partikel im E-Zigarettendampf von Partikeln aus der Umwelt und vor allem von solchen im Tabakrauch. Auch das IRK liefert keine Begründung. Die Aussage selbst ist mit einem Zitat von Frau Dr. Pötschke-Langer, der ehemaligen Leiterin für Krebsprävention am DKFZ, belegt. Während diese selbst keine Nachweise für ihre Aussage genannt hat, wurde sie jedoch vor Aufgabe ihres Amtes, zum Beispiel in der Süddeutschen Zeitung  öffentlich für ihre Verbindungen zur Nikotinersatzprodukte herstellenden Pharmaunternehmen kritisiert. Eine Passiv-Belastung durch die fluiden Partikel des Dampfes legt die IRK anhand von Arbeiten zu nicht fluiden Partikeln, dem Feinstaub und dem Tabakrauch, dar. Als weitere Belege werden Tierversuche und Untersuchungen zu Nebelmaschinen, die teils mit industriellem Propylenglycol betrieben werden, herangezogen. Diese weisen eine kurzzeitige Irritation der Augen und Atemwege nach. Für die nach Wieslander et al. (2001) zitierten leichten Irritationen durch Propylenglykol in der Raumluft liegt die entsprechende Konzentration um das 1.545-fache über dem Wert, der zum Beispiel nach O’Connell et al. (2015) bei der E-Zigarettennutzung von mehreren Personen in einem geschlossenen Raum mit nur 12,8m2 vorliegt.

Was Nebelmaschinen mit E-Zigaretten gemeinsam haben (sollen)

Die IRK: “Angestellte in der Unterhaltungsindustrie, die regelmäßig propylenglykolhaltigen Aerosolen wie Theaternebel ausgesetzt sind, leiden aber häufiger an Atemwegsreizungen und Einschränkungen der Lungenfunktion als nicht exponierte Personen.”

Richtig ist: Im Umgang mit E-Zigaretten gibt es ein weit verbreitetes Missverständnis. Nebelmaschinen verwenden – sofern es sich überhaupt um fluides Propylenglycol und nicht um Ölnebel handelt – eine sehr viel geringere Qualität des Stoffes. Zwar wurde auch diese auf europäischer Ebene erst vor kurzem erneut als unbedenklich eingestuft, aber wichtig ist doch zu unterscheiden, dass für E-Zigaretten Liquids wird pharmazeutisches Proplenglycol verwendet wird. Dieses wird zum Beispiel in zur Inhalation vorgesehenen Asthma-Sprays und medizinischen Mitteln zur Rauchentwöhnung wie “Nicorette Spray” der Firma Johnson & Johnson verwendet. Auch Sprays gegen Halsschmerzen wie z.B. “Neo-Angin” enthalten Propylenglycol.

E-Zigarette und Jugendschutz

Die IRK: “Unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen probieren jedoch auch viele bisherige Nichtraucher die E-Zigarette aus.”

Richtig ist: Auch für E-Zigaretten muss es einen wirksamen Jugendschutz geben. Zentral bei der Beobachtung jugendlicher E-Zigaretten Nutzer ist die Zahl der regelmäßigen Nutzer. Die Wissenschaftler vom Zentrum für Interdisziplinäre Suchtforschung des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf stellen in einer vom Bundesgesundheitsministerium unterstützten Studie fest, dass ca. 1,2 Prozent aller regelmäßigen E-Zigarettennutzer in Europa vormalige Nicht-Raucher sind. Dabei ist unter Jugendlichen der “Probierkonsum”, also die einmalige Nutzung zum Testen, deutlich häufiger. Der Suchtforscher Prof. Stöver von der University of Applied Sciences in Frankfurt erklärt in der Süddeutschen Zeitung: “Wir haben 2000 Jugendliche dazu befragt. Viele haben mit der E-Zigarette Erfahrungen gemacht, aber das war wohl eher ein Übergangsphänomen. Nur ganz wenige Jugendliche konsumieren täglich E-Produkte. Die Gateway-Hypothese bestätigte sich nicht, wir sehen also keine starke Gefahr, dass E-Zigaretten zu einem regelmäßigen Tabakkonsum führen.”. Zuletzt stellte das Münchner Institut für Therapieforschung (IFT) fest, dass das Durchschnittsalter für den Erstkonsum von E-Zigaretten bei über 30 Jahren liegt.

Die E-Zigarette als Tabakzigaretten-Attrappe

Die IRK “Die E-Zigarette imitiert in ihrer Handhabung und zumeist auch in ihrer Optik die Tabakzigarette.”

Ein für 2008 vollkommen zutreffender Satz. Mittlerweile haben wir 2017 und die E-Zigarette hat sich weit von der Tabakzigarette entfernt. Das Design der wiederbefüllbaren Geräte ist durch ihre Technik geprägt. Die Modelle mit Edelstahlgehäuse, häufig in Schwarz oder Silber, haben durch ihre funktionsbedingten Knöpfe und Regler äußerlich wenig mit der Tabakversion gemein. Dies stellte zuletzt auch das ZiS ihrer wissenschaftlichen Untersuchung fest und äußert E-Zigaretten der dritten Generation haben keine ”keine Zigaretten- oder Stiftform mehr” (ZiS, 2016, S. 6). Der Dampf der aus dem Gerät inhaliert wird, ist keine Imitation von Rauch sondern Teil existentielle Funktion einer E-Zigarette.

Die vollständige Stellungnahme der IRK ist unter https://www.springermedizin.de/stellungnahme-der-innenraumhygienekommission-irk-zu-elektronisch/11088792 veröffentlicht.

„Gateway-Effekt“-Theorie von E-Zigaretten endgültig widerlegt

Durchschnittsalter beim Erstkonsum von E-Zigaretten liegt bei über 30 Jahren – Mär von der „Einstiegsdroge“ mit bundesweiter Erhebung endgültig widerlegt

Die neueste Studie des Münchner Instituts für Therapieforschung (IFT) zeigt: E-Zigarette führt nicht zum Tabak-Konsum – sondern zum Tabak-Stop.

Das Münchner Institut für Therapieforschung hat im Januar 2017 eine bundesweite Erhebung zum Suchtmittel-Konsum in Deutschland herausgegeben. Aufgeschlüsselt ist die Untersuchung (Survey) nach Bundesländern: Substanzkonsum und Hinweise auf klinisch relevanten Konsum in Bayern, Hamburg, Hessen, Nordrhein Westfalen, Sachsen und Thüringen. Hier finden Sie die Ergebnisse des Epidemiologischen Suchtsurvey 2015.

Der Survey weist nach, dass das Durchschnittsalter beim Erstkonsum von E-Zigaretten bundesweit bei 31,3 Jahren liegt. Zum Vergleich: Das Einstiegsalter bei Tabak liegt im Bundesdurchschnitt bei nur 15,8 Jahren.

Deutlicher kann man nicht nachweisen, dass die E-Zigarette eben nicht zur Tabak-Zigarette führt, wie Kritiker der Tabak-Alternative immer wieder behaupten und suggerieren wollen. Ein sogenannter „Gateway-Effekt“ liegt also nicht vor. Die große Gefahr, die auf dem Schulhof oder in der Jugend-Clique lauert, ist nach wie vor die Tabakzigarette.

Die 30-Tage-Prävalenz des Tabakkonsums bei den 18- bis 24-Jährigen lag laut IFT 2015 zwischen 19,6 Prozent (Hamburg) und 29,4 Prozent (Thüringen). Hingegen konsumierten nur zwischen 4,7 Prozent (Sachsen) und 8,5 Prozent (Thüringen) dieser Altersgruppe in den letzten 30 Tagen E-Zigaretten – also deutlich weniger.

Nur 2,9 Prozent der Befragten insgesamt haben in dem Survey angegeben, in den letzten 30 Tagen eine E-Zigarette konsumiert zu haben. Die Aufregung, die mancherorts mit Blick auf die E-Zigarette herrscht, ist vor diesem Hintergrund kaum nachzuvollziehen. Der Anteil derer, die innerhalb dieses Zeitraumes zur Tabakzigaretten gegriffen hätten, liegt laut der Studie bundesweit bei 28,7 Prozent und ist damit fast zehnmal so groß.

Mittlerweile empfehlen immer mehr Ärzte und Suchtforscher das E-Dampfen als weniger schädliche Alternative für süchtige Tabakraucher. Das Bündnis für Tabakfreien Genuss hatte darüber berichtet:

Die Erhebung des IFT ist eine „bevölkerungsrepräsentative Studie zum Monitoring des Substanzkonsums“ und seiner Folgen in Deutschland. Die E-Zigarette wird in einem eigenen Unterkapitel behandelt. Die Ergebnisse machen klar:

Die risikoärmere Alternative zur Tabak-Zigarette wird eindeutig überwiegend von Erwachsenen konsumiert, während hingegen Tabak immer noch eine große Rolle bei jungen Menschen spielt. Somit ist ein weiteres Mal die „Gateway-Effekt“-Theorie von E-Zigaretten wissenschaftlich widerlegt.

Die Öffentlichkeit wurde in Bezug auf die Risiken der E-Zigarette in die Irre geführt!

Kanadische Suchtforscher der University of Victoria bestätigen:

  • E-Zigaretten sind deutlich weniger riskant als Tabak-Zigaretten
  • E-Zigaretten sind vom Verdacht entlastet, Einstiegs-Produkt für schädlichen Tabak-Konsum zu sein
  • E-Zigaretten können helfen, vom Tabak-Konsum wegzukommen

 

Ein neuer Paukenschlag in der ideologisch verzerrten Diskussion um die E-Zigarette: 

Vergangene Woche veröffentlichte das Institut für Suchtforschung der Universität von Victoria in British Columbia, Kanada (Link), eine große Metastudie zur E-Zigarette.

Das eindeutige Ergebnis: Es gibt keinerlei Hinweise, dass das Dampfen zum Konsum von Tabakzigaretten verleitet. Eher das Gegenteil scheint der Fall zu sein! Das Ergebnis der Auswertung von 170 wissenschaftlichen Artikeln, die sich mit E-Zigaretten beschäftigen, zeigt, dass der Tabak-Konsum unter Jugendlichen sinkt, während die Nutzung von E-Zigaretten ansteigt. Der sog. „Gateway-Effekt“ ist somit widerlegt. Die Schlussfolgerung der verantwortlichen Forscherin Marjorie MacDonald: Aus der Perspektive einer allgemeinen Gesundheitsvorsorge sei es „positiv zu bewerten, wenn Jugendliche zu weniger schädlichen Produkten als der Tabak-Zigarette greifen“.

Bezeichnend ist schon der Titel der Studie. Er lautet „Clearing the Air“, was übersetzt soviel heißt wie: „Die Luft zum Atmen wird sauberer“. Im übertragenen Sinne kann es aber auch als „Sich Durchblick verschaffen“ verstanden werden. Jedenfalls kommen die kanadischen Suchtforscher zu den gleichen Ergebnissen wie das Team um Prof. Heino Stöver, dem Direktor des Instituts für Suchtforschung Frankfurt (ISFF). Das BfTG e.V. berichtete.

Die kanadischen Wissenschaftler weisen auch darauf hin, dass ihre Untersuchung deutlich belegt, dass der Dampf von E-Zigaretten weitaus weniger schädlich ist als Zigaretten-Rauch. Liquid-Verdampfer und E-Zigaretten stoßen keinen Teer und kein der vielen weiteren giftigen Verbrennungsstoffe aus. Darüber hinaus ließen sich nur 18 prinzipiell giftige Substanzen im E-Zigaretten-Dampf nachweisen, im Zigarettenqualm waren es dagegen 79 nachweislich toxische Substanzen. Auch bei der Konzentration der giftigen Substanzen – und die ist entscheidend – schnitt die E-Zigarette deutlich besser ab. Denn die Dosis macht das Gift!

Auch was die passive Belastung angeht, ist der Unterschied zwischen Zigarettenqualm und E-Zigarettendampf signifikant: während der Dampf sich nach weniger als 30 Sekunden verflüchtigt hat, braucht Zigarettenqualm bis zu 20 Minuten, um sich zu verflüchtigen.

Der Direktor des Instituts für Suchtforschung an der Victoria-Universität, Prof. Dr. Tim Stockwell, redet Klartext, was die Schlussfolgerungen der Studie anbelangt:

„Die Öffentlichkeit ist in die Irre geführt worden, was die Risiken der E-Zigarette anbelangt. Viele Leute denken, sie sei ebenso gefährlich wie das Rauchen von Tabak. Doch die Ergebnisse zeigen, dass das völlig falsch ist.“ Stockwell ist auch Co-Herausgeber der Studie.

Die Studie „Cleaning the Air“ der kanadischen Suchtforscher beinhaltet darüber hinaus eine weitere gute Nachricht vor allem für starke Raucher: Die Ergebnisse der Studie zeigten deutlich, dass E-Zigaretten und Liquid-Verdampfer mindestens so effektiv bei der Tabak-Entwöhnung sind wie andere Nikotin-Ersatzprodukte.

Dustin Dahlmann vom „Bündnis für Tabakfreien Genuss“ sagt dazu:

„Die öffentliche Panik-Mache der Vergangenheit schadet mehr als die vermeintlichen Risiken der E-Zigarette! Die Meta-Studie der kanadischen Wissenschaftler bestätigt unsere Erkenntnisse und Beobachtungen. Die E-Zigarette ist ein vergleichsweise harmloses Konsum-Produkt für Erwachsene, das mit der Schädlichkeit der Tabak-Zigarette nicht zu vergleichen ist. Und es ist sicherlich kein Einstiegsfenster für das Rauchen von Tabak-Zigaretten, das ist nun mehrfach bewiesen worden. Im Gegenteil: Die E-Zigarette ist eine Chance für starke Raucher, von ihrer zerstörerischen Sucht loszukommen. Wir vom Bündnis für Tabakfreien Genuss freuen uns darüber, dass eine sachliche, auf Fakten beruhende Diskussion um den Konsum von E-Zigaretten in Zukunft kaum mehr verhindert werden kann.“

Irische Gesundheitsbehörde empfiehlt E-Zigaretten zur Tabak-Entwöhnung

Die unabhängige irische Gesundheitsbehörde „Health Information and Quality Authority“, kurz HIQA (Link), empfiehlt starken Rauchern auf die E-Zigarette umzusteigen, um von ihrer gefährlichen Sucht wegzukommen.

Das ist eine bemerkenswerte Empfehlung, denn Irland gehört zu den am strengsten regulierten Ländern in der europäischen Union, was potentielle Suchtmittel anbelangt.

E-Zigaretten werden dabei als wirksames Mittel zur Rauchentwöhnung vorgestellt. Sie werden als weniger gesundheitsschädliche Tabakalternative neben anderen empfehlenswerten Therapieformen wie Antidepressiva, verhaltenstherapeutischen Interventionen oder verschreibungspflichtigen Ersatzmedikamenten genannt.

Die HIQA weist in ihrer Pressemitteilung (Linkausdrücklich darauf hin, dass sie die erste Gesundheitsbehörde ist, die E-Zigaretten untersucht hat und neben andere Therapieformen stellt.

Sie betont außerdem, dass das Auftauchen von E-Zigaretten vor ungefähr fünf Jahren die Situation für Raucher grundlegend geändert habe – nämlich zum Besseren!

Nach den Erkenntnissen der irischen Gesundheitsbehörde nutzen bereits 29 Prozent der Raucher E-Zigaretten zum Ausstieg aus dem gesundheitsgefährdenden Tabak-Konsum.

Natürlich empfehlen die irischen Gesundheitsexperten und Suchtforscher das e-Dampfen keineswegs für Nichtraucher, sondern nur für aktive Raucher. Denn für sie liegt es auf der Hand, dass E-Zigaretten weitaus weniger gesundheitsgefährdend sind, als der Qualm aus brennenden Tabak-Zigaretten. Und das ist ziemlich genau das, was Hersteller, Händler und Befürworter von E-Zigaretten schon seit Jahren sagen:

„Die HIQA Studie ist für die hiesige Branche ein wertvolles Signal zum Potential der E-Zigarette. Gerade in der politischen Diskussion in Deutschland werden positive wissenschaftliche Argumente für die E-Zigarette oft übersehen, Studien offizieller Behörden aus dem EU-Ausland können aber auch hierzulande als richtungsweisende Belege für die Vorteile der elektronischen Zigarette gewertet werden.“, sagt Dustin Dahlmann, Vorsitzender des BfTG.