Abgeordnete im britischen Parlament machen sich parteiübergreifend für E-Zigarette stark

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  • Die Parlamentarier kritisieren die widersprüchliche Informationspolitik der britischen Regierung zum Dampfen sowie die öffentliche „Desinformation“ zu Gefahren und Chancen der E-Zigarette
  • Schnelle Überarbeitung des britischen Ausführungsgesetzes zur EU-Tabakverordnung (TPD2) zugunsten der E-Zigarette gefordert

Eine parteiübergreifende Gruppe von Abgeordneten des britischen Parlaments (Unterhaus und Oberhaus) hat vergangene Woche eine Studie zur E-Zigarette und ihrer Beurteilung aus Sicht der Gesundheitspolitik vorgestellt. Sie trägt den Titel „State of the Vaping Nation„, zu deutsch: „Eine Republik, die dampft (statt raucht) – Zum Stand der Dinge„. (http://www.ukvia.co.uk/wp-content/uploads/2017/10/State-of-the-Vaping-Nation-Report.pdf). Darin kommen Wissenschaftler, Gesundheits- und Kommunalpolitiker sowie Vertreter der Dampfer-Branche zu Wort.

Das Ergebnis der Studie ist eindeutig: Das Dampfen, also der Konsum von E-Zigaretten, stelle keine gesundheitliche Bedrohung dar. Vielmehr sei die E-Zigarette eine außergewöhnliche Chance, Millionen von Rauchern zum Umsteigen auf die E-Zigarette zu animieren und so von ihrer selbstzerstörerischen Sucht abzubringen.

Dadurch, so die britische Parlamentariergruppe, könnten auch große Summen im Gesundheitssystem eingespart werden. Hintergrund ist, dass der britische Nationale Gesundheitsdienst (NHS) komplett staatlich finanziert wird, also eine vom Parlament kontrollierte Bürgerversicherung ist. Milliardenkosten durch chronische Krankheiten schlagen direkt auf den Haushalt der Regierung durch (hierzulande tragen diese Kosten die Krankenkassen und nicht der Staat!).

E-Zigaretten nicht auf eine Stufe mit Tabak-Zigaretten stellen

Die Studie der parteiübergreifenden Arbeitsgruppe (The All Party Parliamentary Group for E-Cigarette) kritisiert darüber hinaus in deutlichen Worten, dass Regierung, Behörden und viele Medien die Öffentlichkeit mit widersprüchliche Informationen verunsicherten. Sie beklagen vor allem, dass das Dampfen von E-Zigaretten auf eine Stufe mit dem Konsum von Tabak-Zigaretten gestellt werde, was ihr Gefahrenpotential anbelangt. Die britischen Parlamentarier verurteilen darüber hinaus alarmistische Meldungen in den Medien über angebliche Gefahren von E-Zigaretten, die oft genug auf „wissenschaftlichem Müll“ („junk science„) beruhten.

Die Arbeitsgruppe konnte dafür mit Prof. Peter Hajek (Queen Mary University of London) und Prof. Linda Bauld (University of Stirling) ausgewiesene Experten als Gastautoren gewinnen. Prof. Hajek widmet sich in seinem Kurzbeitrag den festgestellten Fehlinformationen in den Medien sowie den seiner Ansicht nach ungeeigneten Methoden anderer Studien (S. 8). Ihm zufolge führt das zu Fehlaussagen über den sogenannten Gateway-Effekt und zu den vermeintlichen Risiken der E-Zigarette. Prof. Bauld plädiert für eine evidenzbasierte E-Zigarettenregulierung (S. 11).

Empfehlungen für die Regierung

Die Parlamentariergruppe gibt auch deutliche Empfehlungen an die Adresse der britischen Regierung und setzt sich dabei nachhaltig für die E-Zigarette ein. Ihrer Auffassung nach sollte die britische Regierung sofort ein Aufklärungsprogramm für die verbliebenen sieben Millionen britischen Raucher starten, das die gesundheitlichen Vorteile des Dampfens beschreibt.

Zweitens verlangt die überparteiliche Parlamentariergruppe eine sofortige Überarbeitung des Nationalen Tabak-Kontroll-Plans. Im Klartext: Die britische Adaption der EU-Tabakverordnung solle deutlich überarbeitet werden. Denn darin werden die Gefahren des Rauchens und Dampfens praktisch auf eine Stufe gestellt.

Und drittens solle die Regierung stärker mit Experten und Wissenschaftlern, aber auch mit der betroffenen Dampfer-Branche zusammenarbeiten.

Die EU-Tabakverordnung als gesundheitspolitisches Eigentor

Aufschlussreich ist das Statement eines weiteren britischen Abgeordneten: Norman Lamb. Er ist der Vorsitzende des Kommittees für Wissenschaft und Technologie („Chairman of the Science and Technology Select Committee“).

Lamb meinte anlässlich der Vorstellung des Dampfer-Berichts: „Ich war entsetzt, als die EU anfing, Dampfer-Produkte über die Maßen zu regulieren. Denn das war ein komplettes Eigentor„.

Das Kommittee für Wissenschaft und Technologie des britischen Parlaments beschäftigt sich gerade mit dem positiven gesundheits­politischen Potential, das die relativ neue E-Zigarette weltweit haben könnte.

Offensichtlich ist die Diskussion in England mehr als einen Schritt weiter als in Deutschland, so Dustin Dahlmann, Vorsitzender des Bündnis für Tabakfreien Genuss e.V. E-Zigaretten sind keine neue gesundheitliche Bedrohung, sondern eine Chance für Millionen von Rauchern und ein nicht zu unterschätzendes Instrument in der Tabak-Prävention, so Dahlmann weiter.