Neue Analyse: Falsche Risikowahrnehmung hält Raucher vom Umstieg ab

Mehr als die Hälfte der Raucher in Großbritannien glaubt inzwischen fälschlicherweise, dass E-Zigaretten genauso oder sogar schädlicher sind als Tabakzigaretten. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Analyse, über die der Guardian berichtet. Führende britische Wissenschaftler warnen: Diese Fehleinschätzung erschwert den Tabakstopp und kann die öffentliche Gesundheit beeinträchtigen.
Nach den aktuellen Daten halten inzwischen 52 Prozent der Raucher E-Zigaretten für ebenso schädlich oder sogar schädlicher als herkömmliche Zigaretten. Gleichzeitig betonen mehrere international renommierte Experten, dass die wissenschaftliche Evidenz ein anderes Bild zeigt: E-Zigaretten sind zwar nicht risikofrei, verursachen jedoch deutlich weniger Schadstoffe als das Verbrennen von Tabak und können erwachsenen Rauchern den Ausstieg aus dem Rauchen erleichtern.
So warnt Hazel Cheeseman von Action on Smoking and Health (ASH), dass die öffentliche Wahrnehmung sich zunehmend von der wissenschaftlichen Evidenz entfernt habe. Risiken des Dampfens würden häufig isoliert dargestellt, ohne sie mit den wesentlich höheren Risiken des Rauchens zu vergleichen. Dies könne Raucher davon abhalten, auf eine weniger schädliche Alternative umzusteigen.
Auch Professor Jamie Brown vom University College London betont, dass E-Zigaretten ein wirksames Hilfsmittel für den Tabakstopp seien. Studien und Medienberichte müssten Risiken immer im Verhältnis zu den Gefahren des Rauchens einordnen, damit Raucher fundierte Entscheidungen treffen könnten.
Professor Peter Hajek von der Queen Mary University of London kritisiert zudem, dass Risiken des Dampfens teilweise bewusst überzeichnet würden. Dadurch entstünden falsche Vorstellungen, die Rauchern den Weg aus der Tabaksucht erschweren.
Dazu erklärt Philip Drögemüller, Geschäftsführer des Bündnisses für Tabakfreien Genuss (BfTG):
„Die Erkenntnisse aus Großbritannien sollten auch in Deutschland aufmerksam gelesen werden. Wenn erwachsene Raucher glauben, E-Zigaretten seien genauso schädlich wie Tabakzigaretten, verzichten viele auf einen Umstieg, der ihr Gesundheitsrisiko deutlich reduzieren könnte. Gesundheitskommunikation muss Risiken ehrlich darstellen – aber immer im Verhältnis zum Rauchen. Nur eine wissenschaftlich fundierte und ausgewogene Aufklärung ermöglicht informierte Entscheidungen und unterstützt Menschen erfolgreich beim Tabakstopp.“
Das BfTG setzt sich seit vielen Jahren für eine evidenzbasierte Regulierung von E-Zigaretten ein. Dazu gehören ein konsequenter Jugendschutz, hohe Produktstandards und eine sachliche Kommunikation über die Chancen der Schadensminimierung (Harm Reduction) für erwachsene Raucher.