Studie aus UK zeigt Ahnungslosigkeit vieler Raucher

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Mehr als vierzig Prozent der britischen Raucher wissen nicht, dass E-Zigarettendampf um 95 Prozent weniger schädlich ist als Tabakrauch. Etwa genauso viele glauben, dass Nikotin der Hauptauslöser für Krebserkrankungen durch Rauchen ist. Das sind Ergebnisse einer gerade in der Zeitschrift „Addiction“ veröffentlichten Studie des Kings College London.

1720 britische Raucher und Ex-Raucher wurden befragt. Untersucht wurde der Wissensstand über Nikotin und die Wahrnehmung der relativen Schäden durch Rauchen, E-Zigaretten und Nikotinersatztherapie.

Ergebnisse
Die Ergebnisse fallen alarmierend aus. Neun von zehn Teilnehmern sehen im Nikotin den Hauptauslöser für schwerwiegende Erkrankungen, die mit dem Rauchen verbunden sind. Und nicht in den tatsächlichen Auslösern: Den über 4.000 giftigen Stoffen, die bei der Verbrennung von Tabak entstehen wie z.B. Teer, Kohlenstoffmonoxyd, Benzol, Polonium etc.

Tabakzigaretten töten mehr als die Hälfte derjenigen, die langfristig rauchen, doch nur wenige wissen, dass Nikotin nicht die direkte Ursache für rauchbedingte Krankheiten und Todesfälle ist, sagt Dr. Leonie Brose, die Leiterin der Studie.

Und das Unwissen um die tatsächlichen Gefahren des Rauchens im Vergleich zum E-Zigarettenkonsum nimmt zu. Frühere Untersuchungen desselben Teams um Dr. Brose deuten darauf hin, dass der Anteil der Personen mit einer korrekten Einschätzung der Fakten sinkt: 2012 sagten 66,6 Prozent der Befragten, dass Dampfen weniger gefährlich ist als das Rauchen, 2014 waren es nur noch 60,4 Prozent und 2017 schätzten sogar lediglich 57,3 Prozent die Sachlage richtig ein. Gleichzeitig steigt der Anteil der Menschen, die glauben, dass Rauchen und Dampfen gleichermaßen schädlich sind: Von neun Prozent im Jahr 2012 auf 16,9 Prozent im Jahr 2014 und 21,8 Prozent im Jahr 2017.

Gründe für die Fehleinschätzungen
Warum steigt die Zahl der fehlinformierten Menschen kontinuierlich an? Prof. Peter Hajek sieht die Ursache bei Gesundheitsorganisationen und Medien. Peter Hajek ist Professor für klinische Psychologie und Direktor der Forschungsabteilung Tabakabhängigkeit an der Queen Mary University in London. Seine Einschätzung: Es zeige sich, dass die Vielzahl von Fehlinformationen „über Gefahren von E-Zigaretten das öffentliche Bewusstsein durchdrungen haben.“ Dies habe schwerwiegende Folgen für die öffentliche Gesundheit, weil Raucher überzeugt seien, dass Dampfen gefährlich ist und sie besser bei der Tabakzigarette bleiben sollten. Tatsächlich besitzt Dampfen nur einen kleinen Bruchteil der Risiken des Rauchens. Er fordert die entsprechenden Stellen dazu auf, Verantwortung zu übernehmen und ihre Fehlinformationen zu korrigieren.

Weitere Stimmen zur Studie
Clive Bates, der ehemalige Direktor der britischen Nichtraucherschutzorganisation Action on Smoking and Health, geht noch einen Schritt weiter. Auf seinem Twitter-Account bezieht er Stellung zu den Studienergebnissen: Die Ethik von Anti-Vaping-Aktivisten, die die Risiken sicherer Alternativen zum Rauchen übertreiben, ist ebenso verachtenswert wie Tabakunternehmen der 1970er Jahre, die die Risiken des Rauchens bestreiten.“

Auch Martin Dockrell von Public Health England sieht akuten Handlungsbedarf: Es gibt noch viel zu tun, um Raucher zu beruhigen, dass Dampfen zwar nicht risikolos ist, aber weniger schädlich als Rauchen. Wenn Sie rauchen, könnte der Umstieg auf eine E-Zigarette Ihr Leben retten.“

Lage in Deutschland
Die Ergebnisse aus Großbritannien lassen sich zu weiten Teilen auch auf die Situation in Deutschland übertragen. Laut der Debra-Studie von 2018 weiß nur ein Drittel (31,1 Prozent) der deutschen Bevölkerung, dass E-Zigaretten weniger gesundheitsschädlich sind als Tabak. Daher gilt auch für gesundheitspolitische Stellen hierzulande: Aufklärung ist dringend geboten.