Neuer Drogen- und Suchtbericht mit positiven Ergebnissen zur E-Zigarette

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Die Bundesdrogenbeauftragte, Marlene Mortler, hat heute den Drogen- und Suchtbericht 2018 vorgestellt.  Der Bericht liefert auf über 200 Seiten Fakten zur aktuellen Suchtforschung und erläutert Strategien der Suchtpolitik. Hierbei geht es, wie in den letztjährigen Veröffentlichungen des Berichts, erneut auch um die Entwicklung der Faktenlage zur E-Zigarette (S. 45 ff). Wir konzentrieren uns in diesem Artikel auf diesen in den letzten Jahren gewachsenen Teil des Berichts. Anders als die begleitende Pressemeldung vermuten lässt, fallen die Einschätzungen zur E-Zigarette sehr positiv aus.

Erfolgreicher Tabak-Stopp mit E-Zigarette

Der Drogen- und Suchtbericht 2017 kam noch zu folgendem Ergebnis: „Eine wissenschaftlich fundierte Aussage zum tatsächlichen Nutzen von E-Zigaretten als Hilfsmittel beim Rauchstopp ist derzeit allerdings nicht möglich.

Im neuen Bericht hat sich die Situation grundlegend geändert. Nach Auswertung neuer Studien ist die E-Zigarette die „in der Praxis … am häufigsten eingesetzte Methode zur Unterstützung der Tabakentwöhnung“. (S. 48) Laut einer Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) von 2018 hat sich die Zahl der erfolgreichen Tabak-Stopp-Versuche mittels E-Zigarette in den Jahren 2014 – 2017 verneunfacht (von 0,2 Prozent 2014 auf 1,8 Prozent 2017).

Vergleich Tabakrauch und E-Zigarettendampf

Die Faktenlage zur Tabakverbrennung ist klar: „Tabakrauch (enthält) etwa 4.800 Substanzen, von denen über 90 als krebserregend oder erbgutverändernd gelten. Häufig werden dem Tabak auch noch Zusatzstoffe beigemengt, um den Geschmack, das Abbrennen oder die Feuchtigkeit des Tabaks zu beeinflussen… Am stärksten ist die Belastung … für die Atemwege und das Herz-Kreislauf-System.“ (S. 41).

Der Vergleich zum E-Zigarettendampf fällt eindeutig aus:

Während die Nikotinaufnahme der der klassischen Zigarette entsprechen kann, liegt die Konzentration der weiteren Schadstoffe im E-Zigarettenaerosol bei sachgemäßem Gebrauch allerdings deutlich unter dem Rauch der konventionellen Zigarette.“ (S. 45)

Mögliche langfristige gesundheitliche Auswirkungen des E-Zigarettenkonsums wurden bislang nicht untersucht. Es ist aber davon auszugehen, dass E-Zigaretten aufgrund der deutlich geringeren Schadstoffmenge im Aerosol im Vergleich zu Rauchtabak weniger schädlich sind.“ (S. 50)

Die deutlich geringere Schädlichkeit ist wissenschaftlich unbestritten. In einem kürzlich veröffentlichten Brief haben 72 internationale Gesundheitsexperten den Generaldirektor der WHO angeschrieben. Sie fordern eine deutlich stärkere Unterstützung der E-Zigarette durch die Gesundheitspolitik als Mittel zur Schadensminimierung (Harm Reduction): Aus gesundheitlicher Sicht ist der Hauptunterschied zwischen Nikotinprodukten, ob etwas verbrannt wird oder nicht.Fakt: Bei E-Zigaretten findet keine Verbrennung statt.

Keine verlässlichen Daten zur Nutzung bei Jugendlichen

In der Pressemeldung zur Veröffentlichung des Berichts weist die Bundesdrogenbeauftragte auf gestiegene Zahlen in der Verwendung von „neuen Produkten wie E-Zigaretten, Wasserpfeifen und Co.“ hin. Dies gelte sowohl für Jugendliche als auch für Erwachsene. Sie kündigte an, das „Präventionsangebot weiter ausbauen“ zu wollen.

Im Report selbst wird eine Tabelle des DKFZ mit der „Jemalsnutzung“ von E-Zigaretten nach Altersgruppen abgebildet (S. 46 / Abbildung 13). Die jüngste Gruppe in der Untersuchung sind 16-29-jährige Nutzer, die überhaupt schon einmal E-Zigaretten probiert haben. Hier ist ein Anstieg von 2014 bis 2017 um 6,7 Prozent zu beobachten.

Aus diesen Zahlen lassen sich keine Erkenntnisse über die tatsächliche E-Zigarettennutzung bei Jugendlichen ableiten, da die untersuchte Gruppe deutlich zu weit gefasst ist“, sagt Dustin Dahlmann, Vorsitzender des BfTG. Hinzu komme, dass die Jemalsnutzung noch nichts über den regelmäßigen Konsum aussage.

Die gestiegene Zahl der Nutzer unter jungen Erwachsenen erklärt Dahlmann mit einem steigenden Gesundheitsbewusstsein bei dieser Gruppe: „Junge Erwachsene sind zunehmend auf die eigenen Gesundheit fokussiert und sensibler. Daher wechseln viele junge volljährige Raucher zur E-Zigarette. Das sollte man begrüßen – und nicht negativ darstellen.“ Zudem wären junge Erwachsene in der Regel technik-affiner als ältere Menschen. Dies erkläre ebenfalls den höheren Anteil dieser Gruppe unter den Dampfern.

Kein Grund für schärfere Regulierung

In einer Pressemeldung zum Bericht der Bundesregierung fordert die drogenpolitische Sprecherin von Bündnis90/ Die Grünen ein verschärftes Werbeverbot für Tabak und E-Zigaretten: „Der steigende Konsum von E-Zigaretten von Jugendlichen zeigt, dass auch die Werbung für E-Zigaretten jede Prävention konterkariert.

Dustin Dahlmann dazu: „Die vorliegenden Zahlen sind keine Rechtfertigung für ein strengeres Werbeverbot für E-Zigaretten. Jugendliche werden durch das vor zwei Jahren verabschiedete neue Jugendschutzgesetz geschützt. Ein Verkauf an Minderjährige ist verboten. E-Zigaretten sind eine sehr gute Alternative zum Tabakkonsum für erwachsene Raucher und sollten anders reguliert werden als Tabak.“ Außerdem hat eine Studie im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums herausgefunden, dass Raucher mit durchschnittlich 31 Jahren zur E-Zigarette wechseln und nur 1% der Dampfer vorher Nichtraucher waren.