BfTG-Umfrage: E-Zigarettenbranche warnt vor Folgen höherer Liquidsteuer

Eine weitere Erhöhung der Liquidsteuer könnte nach Einschätzung der E-Zigarettenbranche den illegalen Handel verstärken und Investitionen im legalen Markt bremsen. Das geht aus einer Branchenumfrage des Bündnisses für Tabakfreien Genuss (BfTG) unter kleinen und mittelständischen E-Zigaretten-Händlern und -Herstellern hervor.

Das BfTG spricht sich nicht grundsätzlich gegen eine Besteuerung von E-Zigaretten-Liquids aus, fordert aber eine verhältnismäßige Belastung, die den legalen Markt nicht gegenüber unversteuerten Produkten weiter ins Hintertreffen bringt. Nach Einschätzung der befragten Unternehmen ist der Schwarzmarkt bereits heute erheblich: Mehr als die Hälfte der Befragten schätzt seinen Anteil am deutschen E-Zigarettenmarkt auf über 50 Prozent.

Demnach beobachten 88,8 Prozent, dass Kunden aufgrund der Preise vom legalen in den illegalen Markt wechseln. 85,9 Prozent berichten dadurch von spürbaren Umsatzverlusten. 79 Prozent beobachten zudem, dass illegale Anbieter auch an Minderjährige verkaufen.

Die Bundesregierung plant eine schrittweise Erhöhung der Liquidsteuer von derzeit 0,32 Euro auf 0,36 Euro je Milliliter bis 2030. Der Regierungsentwurf sieht dabei jährliche Erhöhungsschritte von jeweils einem Cent vor. Im politischen Verfahren steht jedoch auch eine deutlich stärkere Anhebung im Raum: Eine bereits vorgelegte Formulierungshilfe sieht vor, die Steuer schon 2027 um drei Cent auf 0,35 Euro je Milliliter und 2028 auf 0,36 Euro anzuheben. Für die Branche würde dies eine wesentlich stärkere Belastung innerhalb kürzester Zeit bedeuten. Bereits bei einer Erhöhung auf 0,36 Euro erwarten 84,5 Prozent der Befragten eine starke oder sehr starke Zunahme des illegalen Marktes. Insgesamt rechnen 95,6 Prozent mit einer Zunahme.

Auch die Investitionsbereitschaft könnte leiden. 78,5 Prozent würden Investitionen reduzieren oder geplante Investitionen verschieben, sollte die Steuer auf 0,36 Euro je Milliliter steigen. Kein Befragter gab an, seine Investitionen in diesem Fall erhöhen zu wollen.

Arbeitsplätze stehen unter Druck: 42,4 Prozent der Befragten erwarten bei einer Erhöhung der Liquidsteuer auf 0,36 Euro je Milliliter einen Personalabbau, 16,8 Prozent sogar einen deutlichen. Bereits die bisherige Liquidsteuer belastet nach Angaben der Unternehmen das Geschäft: 78,1 Prozent berichten von geringeren Margen, 67,8 Prozent von sinkenden Kundenzahlen und 64,9 Prozent von rückläufigen Liquidverkäufen. 35,1 Prozent geben an, Personal abgebaut zu haben.

Wir stellen eine Liquidsteuer nicht grundsätzlich infrage. Entscheidend ist aber die Verhältnismäßigkeit. Der legale Handel muss gegenüber unversteuerten Schwarzmarktprodukten wettbewerbsfähig bleiben. Angesichts des bereits heute hohen Schwarzmarktanteils wäre eine weitere Erhöhung das falsche Signal – für den Mittelstand ebenso wie für den Jugend- und Verbraucherschutz“, sagt BfTG-Vorsitzender Dustin Dahlmann.

Bereits bei den Steuereinnahmen für 2025 blieb das tatsächliche Aufkommen deutlich hinter den ursprünglichen Erwartungen zurück. Prognostiziert waren rund 520 Millionen Euro, tatsächlich wurden rund 403 Millionen Euro eingenommen – eine Abweichung von etwa 22,5 Prozent.

Die bisherigen Einnahmen zeigen, dass höhere Steuersätze nicht automatisch zu den erwarteten Mehreinnahmen führen. Gleichzeitig beobachten fast 90 Prozent der von uns befragten Unternehmen, dass Kunden aufgrund der Preise in den illegalen Markt wechseln. Jeder dort verkaufte Milliliter bringt dem Staat keine Liquidsteuer. Wer die Einnahmen erhöhen will, muss deshalb auch dafür sorgen, dass der Verkauf im legalen und versteuerten Markt stattfindet“, so Dahlmann.

Die Online-Befragung wurde im August 2026 durchgeführt. Befragt wurden 206 kleine und mittelständische Händler und Hersteller der deutschen E-Zigarettenbranche.

2026-09-07T12:33:16+02:0007.09.2026|