Kritik an E-Zigaretten-Studie: Keine Grundlage für Krebswarnungen
BfTG fordert differenzierte Einordnung neuer Veröffentlichung – Kritik führender Wissenschaftler zeigt: Schlussfolgerungen gehen über die Daten hinaus

Die gestrige Berichterstattung zu einer neuen Veröffentlichung über eine mögliche Krebsgefahr durch E-Zigaretten droht, Raucher unnötig zu verunsichern, die einen Tabakstopp erreichen wollen. Die zugrunde liegende Arbeit liefert keine neue epidemiologische Evidenz dafür, dass E-Zigaretten bei Menschen Krebs verursachen. Vielmehr handelt es sich um eine qualitative Bewertung indirekter Hinweise aus Labor-, Biomarker- und Tierdaten.
„Die vorliegenden Daten rechtfertigen keine pauschalen Krebswarnungen“, sagt Philip Drögemüller, Geschäftsführer des Bündnis für Tabakfreien Genuss (BfTG). „Die Arbeit liefert keine neue Evidenz für tatsächlich beobachtete Krebsfälle durch E-Zigaretten beim Menschen. Sie bündelt indirekte Hinweise – und genau deren Interpretation wird von mehreren Wissenschaftlern deutlich kritisiert.“
Mehrere vom Science Media Centre befragte Wissenschaftler haben die Arbeit entsprechend eingeordnet. Kritisiert werden unter anderem fehlende Standards einer systematischen Übersichtsarbeit, unklare Auswahlkriterien der berücksichtigten Studien sowie Schlussfolgerungen, die über die Datenbasis hinausgehen.
Prof. Lion Shahab, Professor für Gesundheitspsychologie am University College London, erklärte, dass nicht klar definiert sei, ab wann die Studienlage ausreicht, um E-Zigaretten als krebserregend einzustufen. Ohne solche Kriterien habe die Übersichtsarbeit nur geringe Glaubwürdigkeit und spiegele eher eine Interpretation der Autoren wider als eine objektive Bewertung des aktuellen Stands der wissenschaftlichen Evidenz.
„Es geht nicht darum, Risiken des Dampfens kleinzureden“, so Drögemüller weiter. „Es geht darum, sie sachgerecht einzuordnen – und zwar im Verhältnis zum Rauchen. Genau diese Differenzierung fehlt in vielen Schlagzeilen.“
Denn für die gesundheitspolitische Bewertung ist nicht entscheidend, ob sich einzelne potenziell problematische Stoffe nachweisen lassen, sondern in welcher Menge dies geschieht und wie sich diese Belastung im Vergleich zu Tabakrauch darstellt. Fachleute betonen, dass beim Dampfen die Exposition gegenüber krebserregenden Stoffen nur einen Bruchteil der Belastung durch Zigarettenrauch ausmacht und viele besonders schädliche Verbrennungsprodukte gar nicht entstehen.
Auch die breitere Evidenzlage spricht gegen alarmistische Verkürzungen. So zeigen internationale Bewertungen, dass Nutzer von E-Zigaretten deutlich geringeren Mengen von Schadstoffen ausgesetzt sind, die mit Krebs-, Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung stehen, als Raucher.
Prof. Peter Hajek, Professor für Klinische Psychologie an der Queen Mary University of London:
„Fehlinformationen bei Rauchern bergen das Risiko, sie davon abzuhalten, E-Zigaretten zu nutzen, die zu den wirksamsten Methoden gehören, um mit dem Rauchen aufzuhören. Der Umstieg vom Rauchen auf das Dampfen beseitigt die Hauptursache aller rauchbedingten Erkrankungen, einschließlich Krebs.“ (Science Media Centre)
Das BfTG appelliert daher an Medien und politische Akteure, neue Studien sorgfältig und im Kontext der gesamten wissenschaftlichen Evidenz einzuordnen. Eine differenzierte, risikobasierte Kommunikation sei entscheidend, um Fehlwahrnehmungen zu vermeiden und gesundheitspolitische Ziele nicht zu gefährden.